Sie sind auf eine solche Tafel gestossen? Dann befanden Sie sich vor einem schutzwürdigen Naturphänomen, einer Höhle oder einer Doline (einer trichterförmigen Senke im Boden). Wieso bedürfen diese Naturerscheinungen eines Schutzes?

Grundwasserschutz

Die meisten Dolinen der Schweiz sind ein Produkt der Kalklösung durch Wasser. Auch wenn die Doline oder Höhle, die Sie sahen, vielleicht trocken ist, so hat sie garantiert Verbindung mit Wasserläufen. Wasser zirkuliert im Kalk sehr schnell und kann sich deshalb nicht selbst reinigen - eine Wasserverunreinigung durch Fäkalien, Öl oder Abfall ist deshalb sehr fatal.
Bitte: Hinterlassen Sie nirgendwo, ganz speziell aber nicht in Karstgebieten, Abfälle aller Art. Nicht nur die Natur, sondern auch die Trinkwasser anzapfende Gemeinde wird es Ihnen danken!

Schutz der Lebewesen

Eine kalte, dunkle, feuchte Umgebung scheint nicht sehr einladend zu sein. Doch Tatsache ist, dass diverse Tiere in Höhlen und Dolinen leben, dies in Abhängigkeit von den Bedingungen (trockene. felsige Doline, oder sumpfige Doline). Einige davon sind nicht dauernd (Fledermäuse, Schmetterlinge) vorhanden, andere Kleintiere jedoch haben sich an das unterirdische Leben angepasst und können draussen nicht überleben. Einige dieser Tiere leben sogar ausschliesslich in einer bestimmten Höhle. Diese Tiere, auch wenn sie von blossem Auge kaum sichtbar sind, müssen geschützt werden.
Bitte: Leeren Sie keine Chemikalien, Altöl, Karbidabfall und dergleichen in Karstwässer - die Ölpest auf den Weltmeeren ist tragisch genug. Begehen Sie Höhlen, in denen Fledermäuse überwintern, höchstens im Sommer.

Landschaftsschutz

Vor allem Dolinen sind für eine Karstlandschaft ganz charakteristisch. Obwohl viele Dolinen Bombenkratern ähneln, sind sie wie Höhlen durch natürliche Prozesse entstanden. Als charakteristisches Objekt gehören sie geschützt. Dazu kommt, dass aufgefüllte Dolinen oft eine zusätzliche Gefahr darstellen: Die Kalklösung läuft nämlich weiter. Wird dann ein Haus darüber gebaut, so ist der Untergrund instabil und kann einbrechen - mit fatalen Folgen.
Bitte: Füllen Sie Dolinen nicht auf - weder mit Abfällen noch mit eigentlich harmlosen Steinen und Erde! Sie schützen die Landschaft und beugen möglichen Unfällen vor.

Schutz der Ablagerungen

Höhlen sind oft Zeugen der geologischen Vergangenheit. Tropfsteine in Höhlen wachsen sehr langsam und sind zerbrechlich. In der Höhle noch schön, verblassen sie auf dem heimischen Büchergestell sehr rasch - aber ein Dokument der Vergangenheit wurde somit unwiederbringlich zerstört.
Auch lehmige und sandige Sedimente sind wertvoll. Zusammen mit den Sinterbildungen und der Form der Gänge geben sie Auskunft über vergangene Epochen. Die Entwicklung unserer Alpen und Täler und die Chronologie der Eiszeiten ist in Höhlen aufgezeichnet. Unachtsamkeit oder Vandalismus zerstört dieses Archiv rasch.
Bitte: Nehmen Sie keine Tropfsteine (auch natürlich abgefallene) als Souvenir nach draussen, tragen Sie auch Sorge zu Sand und Lehm - unschätzbaren Archiven der Erdgeschichte.

Schutz des Materials

Einige Höhlen sind von den darin forschenden Sektionen dauerhaft "eingerichtet" - das heisst, es hängen Seile, Leitern und Aufhängungen darin. Da ist es natürlich verlockend, auf eigene Faust die Höhle zu erkunden. Doch: Jede Befahrung einer Höhle beschädigt etwas Material - Material, das die Forschergruppe unbedingt zur Weiterforschung benötigt.
Bitte: Steigen Sie nicht einfach in eine Höhle ein - erst recht nicht in eine, die eingerichtet ist. Kontaktieren Sie, falls Sie eine Höhlenbefahrung wünschen, die Sektion, die in dieser Höhle forscht.

Personenschutz

Neinnein - kein Bodyguard! Es geht um Ihren eigenen, persönlichen Schutz! Kennen Sie die Höhle, die Sie gefunden haben? Wissen Sie, ob, wann und wie ein Hochwasser kommt? Kennen Sie weitere, spezifische Gefahren des Loches? Haben Sie mit dem erforschenden Verein gesprochen, der die Höhle eingerichtet hat, und hat er sie über die Seilhandhabung informiert? Falls sie alle diese Fragen mit Ja beantworten können, dann haben Sie alle notwendigen Vorkehrungen zu ihrem eigenen Schutz getroffen.
Ansonsten bitten wir Sie: Gehen Sie nicht einfach so in eine Höhle! Es ist zu Ihrem Besten, aber auch zum Besten der Höhle.

Sie wollen aber die unterirdische Welt näher kennenlernen? Nichts einfacher als das!

Als erster Einstieg empfiehlt sich der Besuch von Schauhöhlen. Der Link führt Sie auf die Site der Schauhöhlen der Schweiz.

Sie waren in einer Schauhöhle, es hat Ihnen gefallen, und Sie wollen mehr? Nehmen Sie doch Kontakt mit einer Sektion der SGH auf!

Oder Sie wollen mehr Informationen zu einer bestimmten Höhle? Senden Sie ein Mail an die regionale Höhlenschutzgruppe. Vergessen Sie nicht, die Koordinaten der betreffenden Höhle mitzuteilen.

Bist Du Höfo, weisst von diesen Tafeln und denkst, dass das auch für eine Deiner Höhlen sinnvoll wäre? Denke daran, dass das Aufstellen einer Naturschutztafel Besucher verleiten kann, in eine Höhle zu gehen, die ohne Tafel nicht beachtet worden wäre!
Das Ziel der Tafeln ist, die breite Öffentlichkeit zu sensibilisieren, um jeder Form von Verschmutzung und Plünderung der betroffenen Höhle vorzubeugen oder eine neue Verschmutzung zu vermeiden.
Die Tafeln werden von den regionalen Höhlenschutzgruppen installiert. Setze Dich mit ihr in Verbindung, wenn du ein Objekt kennst, wo die Installation einer Tafel sinnvoll wäre.

Weitere Auskünfte gibt die Höhlenschutzkommission gerne. 

Schweizer Karte mit alle Sektionen

Phoca Maps?

Text: FRANZ STEINEGGER ("Boote der Urschweiz", 29.07.2015)

 

 

 MUOTATHAL: Im Hölloch lebt eine Spinnenart, die es nur hier gibt- möglicherweise ein Relikt aus der Eiszeit.